26.01.2019 / Kolumne / Raumplanung /

Zersiedlungsinitiative: Wohnen wie in Hong Kong?

Zuger Ansichten von Heini Schmid, Kantonsrat und Präsident CVP Baar, vom 26. Januar in der «Zuger Zeitung»

Die Zersiedelungsinitiative will mit einem zeitlich unbegrenzten Einzonungsverbot dem Siedlungswachstum ein für alle Mal Einhalt gebieten. Da die Initiative langfristige Ziele verfolgt, macht es Sinn aufzuzeigen, was die Annahme dieser Initiative für Auswirkungen im Kanton Zug hätte. Im Kanton Zug gehen wir davon aus, dass die noch nicht überbauten Flächen in der Bauzone etwa bis 2040 überbaut sein werden und wir dann bei Annahme der Initiative wegen des Einzonungsstopps nur noch auf überbauten Flächen Projekte realisieren könnten. Wir wären dann dort angekommen, wo sich Hong Kong aufgrund seiner Topographie schon heute befindet. Dort kann nur noch in die Höhe gebaut werden. Hochhaus reiht sich an Hochhaus. Trotz dieser enormen Verdichtung erreichen die Bodenpreise und damit die Mieten schwindelerregende Dimensionen. Bei Mietpreisen von 1200 Fr. pro Quadratmeter und Jahr beläuft sich die Miete einer Wohnung von 100 Quadratmetern auf 10‘000 Fr. pro Monat und dies bei einer deutlich kleineren Kaufkraft als in der Schweiz. Dies führt dazu, dass Wohnungen unterteilt und zimmerweise vermietet werden. Ein Zimmer von 5 Quadratmetern kostet dann 500 Fr. Miete pro Monat. Glücklicherweise werden wir 2040 aufgrund der geringeren Baudichte noch mehr Möglichkeiten haben als Hong Kong, das bestehende Baugebiet zu verdichten. Trotzdem wird die künstliche Verknappung des Baugebietes zu einem stärkeren Anstieg der Preise führen. Bleibt Zug weiterhin wirtschaftlich attraktiv und damit die Zuwanderung ungebrochen, so werden die Mietpreise für den Mittelstand unerschwinglich. Unangenehm wird es auch für die öffentliche Hand. Eine Einzonung für öffentliche Bauten ist gemäss Initiative nur dann noch möglich, wenn die öffentliche Baute auf einen Standort ausserhalb des Baugebietes angewiesen ist. Dies sind dann hauptsächlich noch Stromleitungen und Überlandstrassen. Schulen, Sportanlagen, Stadien, Verwaltungsgebäude etc. kann man im normalen Baugebiet realisieren und brauchen keinen Standort ausserhalb der Bauzone. Neue Zonen des öffentlichen Interesses müssten somit im bestehenden Baugebiet ausgeschieden werden. Für jedes neue Fussballfeld müssten dann die bisherigen Bewohner weichen und sich ein neues Zuhause suchen. Die horrenden Entschädigungen der bisherigen Bewohner dürfen wir dann alle mit höheren Steuern bezahlen. Auch unsere Bauern werden 2040 hartes Brot essen. Sie werden der internationalen Konkurrenz zwar ausgesetzt sein, dürfen aber bei Annahme der Initiative keinerlei bodenunabhängige Produkte wie Erdbeeren auf Hochbeten oder Gemüse in Plastiktunneln in der Landwirtschaftszone mehr produzieren. Spezielle Zonen und die bodenunabhängige Produktion als Nebenbetrieb wären im Landwirtschaftsgebiet nicht mehr möglich. Jedes neue Gewächshaus müsste dann auf schon überbautem Bauland errichtet werden. Solche extremen Zukunftsvisionen sollten wir uns ersparen. Wir sind schon heute auf dem richtigen Weg den Bauzonenverbrauch pro Kopf zu reduzieren. Im Kanton Zug sinkt der pro Kopfverbrauch von Siedlungsfläche. Dank der Verdichtung wächst unsere Siedlungsfläche nicht mehr so stark wie früher. Mit 84 Quadratmetern pro Kopf haben wir nach Basel und Genf am wenigsten Quadratmeter Bauland pro Person und Beschäftigte verbraucht. Die Schweiz hat im Vergleich mit den Staaten der EFTA und EU eine der kleinsten und unterdurchschnittlichsten Siedlungsflächen pro Person und Beschäftige. Wir nutzen unseren Boden somit schon sehr effizient. Wir sind auf Kurs und brauchen keine fundamentalistische Siedlungspolitik mit unkalkulierbaren Risiken für Mieter, Bauern und die öffentliche Hand.

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