02.10.2019 / Artikel / Aus dem Amt /

Interview mit Fabio Iten

Fabio, bitte stelle dich vor.
Ich bin Fabio Iten, 27 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Unterägeri. Ich schloss eine Lehre zum Elektroinstallateur ab und befinde mich zurzeit noch in Ausbildung zum eidg. dipl. Betriebswirtschafter. Seit drei Jahren arbeite ich in einem Elektro Engineering Büro im Bereich der Sicherheitsplanung.

Im Oktober 2018 wurdest du in den Kantonsrat des Kantons Zug gewählt. Wie hast du den Einstieg in das kantonale Parlament erlebt?
In unserer Fraktion wurde ich sehr gut aufgenommen. Bei Fragen war immer jemand zur Stelle. Das hat mir sehr geholfen. Der Ratsbetrieb war anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig. Abläufe, Begrifflichkeiten und Spielregeln waren neu. Zudem wurden sehr umfangreiche Geschäfte oder solche, die bereits zur zweiten Lesung traktandiert waren, behandelt. Dies machte die ganze Sache nicht einfacher.

Welche Bilanz ziehst du nach deinem erstes Jahr als Jungpolitiker?
Ich werde oft auf mein Amt angesprochen. Das Interesse an meinem Amt als Kantonsrat freut mich sehr. Ich habe das Gefühl, dass ich auch bei einigen Nicht-Politikinteressierten aus meinem Umfeld das Interesse an Politik etwas wecken konnte. Bereits habe ich erste Vorstösse auf kantonaler Ebene eingereicht, wie kürzlich die Interpellation betreffend «Praktikum ohne Perspektive». Das ist ein Vorstoss der Jungen CVP, in der ich das Vorstandsamt von Laura Dittli übernehmen durfte. Ich fühle mich sehr wohl, in dem was ich tue. Daher ziehe ich eine positive Bilanz.

Wie gross ist der zeitliche Aufwand?
Ehrlich gesagt weiss ich es nicht. Aber, um dies herauszufinden, führe ich eine Liste mit dem Zeitaufwand für die Orts-, die Kantonal- und die Jungpartei. Ende Jahr ziehe ich dann Bilanz. Ich schätze den Aufwand ungefähr auf 10-15% Stellenprozent. Politik ist auch ein bisschen ein Hobby. Man liest sehr viel. Man möchte immer auf dem aktuellen Stand sein. Daher ist eine genaue Angabe sehr schwierig.

Welche Anliegen und Themen stehen bei dir oben in der politischen Agenda?
Mir ist die Vereinbarkeit von Landschaft, Erholungsraum und einer gut ausgebauten Infrastruktur sehr wichtig. Die Ortsplanungsrevision steht vor der Tür. Da gilt es, zusammen mit der Bevölkerung gute Lösungen für unseren Kanton und die Gemeinde zu erarbeiten. Weiter haben wir im Bildungswesen Verbesserungspotential. Der Trend zur gymnasialen Ausbildung nimmt zu. Wie können wir jungen Menschen bei der Berufswahl das grosse Potenzial des dualen Bildungssystems aufzeigen und sie ermuntern, diesen Weg zu beschreiten? Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zu einer zunehmenden Belastung. Zu dieser Thematik haben wir im Kantonsrat eine Motion betreffend bedarfsgerechter Einführung von Tagesschulen eingereicht.
Mir ist vor allem wichtig, die Augen vor der Zukunft nicht zu schliessen. Nicht nur das Klima, sondern die ganze Welt, z.B. mit der Digitalisierung, steht im Wandel. Neue Lösungen und Ansätze sind überall gefragt, und trotzdem dürfen wir unsere Werte und Traditionen nicht verlieren.

Du engagierst dich auch im Vorstand der CVP Unterägeri. Weshalb ist die CVP deine politische Heimat?
Aus persönlicher Sicht sind meine Anliegen und politischen Ansichten bei der CVP am besten vertreten. Das Spannende einer Mittepartei ist, konstruktive und gute Lösungen mit den anderen Parteien zu finden. In einer Welt der zunehmenden Polarisierung ist eine starke Mitte gefragter denn je. Dafür setze ich mich ein. Beispiele aus der ganzen Welt zeigen, dass eine reine links- oder rechtsaussen Mehrheit das Land nicht vorwärts bringt.

Welche Themen beschäftigen aus deiner Sicht die Menschen in Unterägeri?
Mittlerweile pendelt arbeitsbedingt ein Grossteil unserer Bevölkerung nach Zug, Zürich oder Luzern. Dies erfordert ein gut ausgebautes Verkehrsnetz. Wichtig ist der Einbezug aller Verkehrsteilnehmer. Dazu gehören Busbuchten und beidseitig geführte Velostreifen. Bald steht die Sanierung der Hauptverkehrsachse ins Ägerital an. Viele Mitmenschen haben ein ungutes Gefühl bei der steten Zunahme der Wohnbevölkerung. Dies in Bezug auf den wachsenden Verkehr, den Verlust von Grünflächen und bezahlbaren Wohnungen. Ich möchte Unterägeri nicht in eine «Stadt am See» weiterentwickeln.

Wie verbringst du in deine Freizeit?
Im Sommer und im Winter bin ich gerne in den Bergen, sei dies auf dem Mountainbike oder mit den Skiern. Weiter bin ich bei der Guggenmusig Möschtliblöser als Paukist und bei den Zuger Highlands im Unihockey aktiv. Zurzeit nimmt mich der Umbau eines Campingbüslis und die Diplomarbeit in Anspruch.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Dann wünsche ich mir drei weitere Wünsche😉.
Nein, Spass beiseite… Ich wünsche mir, das ganze Konstrukt der Gesundheits- und Altersvorsorge auf einer grünen Wiese neu aufbauen zu können. Das aktuelle Treiben ist reine «Pflästerlipolitik». Keine langfristigen und griffigen Lösungen sind in Sicht. Zu viele Interessenverbände haben ihre Finger im Spiel und begünstigen die Blockadepolitik. Ausgebadet wird es schliesslich auf dem Buckel der Jungen, die in einigen Jahren vor einem kompletten Scherbenhaufen stehen.

Fabio, ganz herzlichen Dank für dein grosses Engagement. Für unsere Bevölkerung, für unsere Gemeinde, für den Kanton, für die CVP. Ich wünsche dir viel Erfolg in deiner politischen Arbeit und einen guten Abschluss in deiner Weiterbildung. Danke für das Gespräch.

CVP Unterägeri, Arthur Walker