02.05.2018 / Artikel / / ,

Wie weiter mit dem politischen Milizsystem?

Pirmin Andermatt, Gemeinderat/Kantonsrat, CVP Baar

Per Definition bezeichnet man das Milizsystem oder das Milizprinzip als den Teilaspekt des politischen Systems der Schweiz, wonach öffentliche Aufgaben meist nebenberuflich ausgeübt werden. Dabei ist jeder Schweizer und jede Schweizerin (dazu gehört auch die Wirtschaft) eingeladen, seinen/ihren Beitrag an die Allgemeinheit zu leisten. Das Milizsystem bildet sozusagen das Fundament unserer direkten Demokratie. Es steht zudem als Garant für die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern. 

Jüngere Studien und Analysen zum Milizsystem und zur Freiwilligenarbeit – dabei ist auch das Mitwirken in Vereinen und Non-Profit Organisationen gemeint – zeichnen jedoch ein eher düsteres Bild über die Milizarbeit, bzw. die Verfügbarkeit von genügend Anwärtern und Anwärterinnen. Den Parteien geht nämlich zunehmend die Basis verloren, sie haben immer mehr Mühe, geeignete bzw. überhaupt Kandidaten und vor allem Kandidatinnen zu finden. Die Individualisierung (Fokussierung auf die Eigeninteressen; mangelnde Selbstverantwortung, Angst vor den Aufgaben usw.) aber auch der zunehmende Druck am Arbeitsplatz (Ineinandergreifen von Arbeitswelt und Privatleben) führen dazu, dass die Bereitschaft zur Annahme eines öffentlichen Amtes abnimmt. Immer weniger Personen sind bereit, sich für ein längerfristiges Engagement einbinden zu lassen. Die uneingeschränkte Verfügbarkeit (24 Stunden, 7 Tage in der Woche) durch den technischen Fortschritt verstärkt diese negative Tendenz noch. Was waren das für schöne (Frei)-Zeiten vor der Einführung (und damit oftmals Abhängigkeit) des Handy’s!!

Zudem wird von vielen AmtsinhaberInnen beklagt, dass nebst den zeitlichen auch die inhaltlichen und intellektuellen Anforderungen in den Nebenämtern weiter gestiegen seien. Die Wertschätzung der Bevölkerung für die Übernahme eines Amtes scheint ebenfalls im Sinken zu sein. Unser Milizsystem stützt sich jedoch auf funktionierende Behörden und Organisationen. Die freiwillige Teilnahme von genügend Bürgern ist dabei klare Voraussetzung. Das Milizsystem ist einer der Pfeiler der schweizerischen Erfolgsgeschichte!  

Die vorangegangene Auslegeordnung und offen gesprochen eher düsteren Aussichten führen mich zu folgender Frage: wie weiter mit unserem Milizsystem; gibt es noch eine Zukunft mit der nötigen Qualität?

Ich sage klar ja dazu! Die Übernahme eines öffentlichen Amtes kann unbeschreiblich bereichernd und erfüllend sein. Man wächst nämlich mit den steigenden Verantwortlichkeiten! Eine gewisse Professionalisierung einzelner Aufgaben wird aber vermutlich unumgänglich sein. Wenn jede Bürgerin und jeder Bürger des Kantons Zug sich nun bereit erklären würde, mindestens eine öffentliche Aufgabe (oder Mitgliedschaft in einem Verein/Vorstand oder einer Non-Profit Organisation) zu übernehmen und den Enthusiasmus dafür auch an die nächste Generation weitergäbe, dann würde sich das Bild wieder aufhellen.

Die Alternativen will ich eigentlich gar nicht durchdenken. Trotzdem müssen sie aber angesprochen und von den politisch Verantwortlichen intensiv durchdiskutiert werden. Falls nämlich nicht genügend Freiwillige zur Verfügung stehen würden, drohen uns Berufspolitiker („Classe politique“), Vereinsauflösungen und steigende Staatsausagen. Überall dort, wo nämlich die Freiwilligenarbeit nicht mehr greift, wird vermutlich der Staat für die entstandene Lücke aufkommen und diese finanzieren müssen. 

Ich rufe Sie deshalb dazu auf, sich für die Öffentlichkeitsarbeit zu engagieren und Ämter und Aufgaben zu übernehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten mitzumachen und sich einzubringen! Sie sind aufgefordert, unser Milizsystem zu erhalten und weiterzutragen. Trauen Sie es sich zu!

Herzlichen Dank für Ihr Engagement – es lohnt sich!

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