18.04.2018 / Artikel / / , ,

Baustelle Schule

Bildungsfragen sind ein Dauerbrenner. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sie in den Medien thematisiert werden. Im Fokus steht dabei immer wieder die Belastung der Lehrpersonen. Tatsächlich mussten im Kanton Zug vor allem auf der Kindergarten- und Primarschulstufe viele Änderungen bewältigt werden. Für die Mehrheit dieser Änderungen brauchte es einen grossen Initialaufwand. Es mussten Lernziele definiert, Lehrpersonen geschult und Unterrichtsmaterial erstellt werden. Zu diesen Änderungen gehörte die Einführung von Englisch, Französisch und Informatik sowie die Neugestaltung des Fachs Ethik/Religionen. Die Einführung des Lehrplans 21 zählt ebenfalls zu dieser Kategorie.

Silva Thalmann, Kantonsrätin CVP Stadt Zug

Es sind jedoch nicht diese Änderungen, welche die Lehrpersonen an ihre Grenzen bringen. Zu einer einschneidenden Änderung des Schulalltags führte der individualisierte Unterricht und der Wechsel vom separativen zum integrativen Schulmodell. Der gesellschaftliche Druck zur Integration ist gross. Die gesetzlichen Vorgaben sind klar, die Erwartungen von betroffenen Eltern sind hoch und Expertenberichte belegen den gesellschaftlichen Nutzen des integrativen Modells. Kritische Stellungnahmen aus der Praxis haben in diesem Umfeld einen schweren Stand. Schon immer gehörten zum Klassenverband ein bis zwei «schwierige» Kinder. Nun sehen sich Lehrpersonen jedoch mit weit anspruchsvolleren Situationen konfrontiert. Jedes Kind muss gemäss seinen Fähigkeiten und Begabungen gefördert werden. Mangels erfahrenen schulischen Heilpädagogen lastet die Hauptverantwortung auf den Schultern der Klassenlehrpersonen. Lehrpersonen, die für ein Kind eine Sonderschulung vorschlagen, müssen gut argumentieren können und ihre Haltung stichhaltig dokumentieren. Frustration, Überforderung, Ausgebranntsein oder der Ausstieg aus dem Schulsystem sind die Folgen. Das heutige integrative Bildungsmodell stellt die Integration über alles. Das ist zu einseitig. Und es ist bildungsideologisch gefärbt. Die Politik fasst das heisse Eisen nur zögerlich an. Ich bin überzeugt, dass das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen wird. Denn im Zentrum muss die pädagogische Frage stehen: Wie kann man dem Kind am besten gerecht werden? Mit überforderten Lehrpersonen ganz bestimmt nicht.

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